22.05.2013, 10:47 Uhr
04. Juni 2008 Bonn (djv)
Biologische Vielfalt in Europa am Beispiel jagdbarer Tierarten: Unter diesem Motto veranstaltete der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) am 30. Mai 2008 in Bonn ein Fachforum auf der UN-Naturschutzkonferenz, das Hauptgeschäftsführer Goddert von Wülfing eröffnete. “Jagd hat einen Mehrwert für die Biodiversität”, betonte Dr. Yves Lecocq, Generalsekretär des Zusammenschlusses der europäischen Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung (FACE) in seinem Vortrag. Deshalb sei Jagd nicht das Problem, sondern Teil der Lösung, um den Artenschwund in Europa aufzuhalten. Allerdings werde dies gerade von deutschen Naturschützern immer wieder in Frage gestellt, erklärte Lecocq vor zahlreichen Teilnehmern.
Die Leistungen der Jägerschaft für die Biodiversität verdeutlichte Ludger Wenzelides vom Institut für Biogeographie der Universität Trier. Er stellte das seit 2001 bestehende Wildtier-Informationssystem (WILD) vor – das erste bundesweite Monitoring-Programm für derzeit 29 Wildtierarten. WILD liefere verlässliche Informationen über das Vorkommen von Wildtieren und deren Lebensraum, so Wenzelides. Diese Datenreihen seien Grundlage für mögliche Managementmaßnahmen. Die Effizienz von Wild zeigte Wenzelides beispielhaft an der Erfassung des Feldhasen. Dessen Bestände steigen seit Beginn der Zählungen im Jahr 2002 an. Panikmeldungen wie “der Hase stirbt aus” wird damit der Nährboden entzogen.
Wie wichtig Wildtier-Monitoring ist, um Stoerungen zu erkennen, verdeutlichte PD Dr. Heiner Reck vom Oekologie-Zentrum der Universitaet Kiel am Beispiel der Wiesenweihe in Schleswig- Holstein. Ein Grossteil der Landespopulation lebt hier im Nordwesten. Und dort lieferten Jaeger den ersten verlässlichen Datensatz, der die negative Wirkung von Strassen auf das Brutvorkommen von Wiesenweihen zeigt. Demnach brüten diese in groeßerer Zahl erst etwa 1,5 Kilometer entfernt von Strassen mit einem Aufkommen von mehr als 2.500 Fahrzeugen täglich.
Die zunehmende Verkehrsbelastung wirke sich langfristig auch negativ auf große Säuger wie den Rothirschen aus, erklärte Reck. Zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in Deutschland forderte Reck deshalb Lebensraumnetzwerke und Querungshilfen für Wildtiere.
Im Umgang mit grossen Pflanzenfressern wie dem Rothirsch plädierte der Kieler Experte für mehr Wissenschaft und weniger Ideologie. Er bezeichnete große Wildtiere als Triebkraft der Biodiversität. Sie schafften durch ihre kurzfristigen Störungen wie Vertritt und Verbiss ein reiches Habitatmosaik und förderten so die Biologische Vielfalt. Beispielsweise werden mehr als zwei Drittel aller Grashüpfer-Arten in Deutschland durch extensive Beweidung durch Nutzvieh oder Wildtiere gefördert. Für einige Grashüpferarten und für sehr viele andere Tiere und Pflanzen sind Große Pflanzenfresser unmittelbare Lebensvoraussetzung. Die jägernahe Stiftung natur+mensch werde deshalb den Einfluss von Paarhufern wie Hirsch, Reh oder Wildschwein auf die Biodiversitaet genauer wissenschaftlich untersuchen lassen, verkuendete Reck.
Am Gemeinschaftsstand des Aktionsbündnisses Forum Natur präsentierte der DJV vom 27. bis 30 Mai 2008 das bisher bundesweit einzigartige Wildtier-Monitoring der Jäger, WILD. Mehr als 7.000 Teilnehmer aus aller Welt waren im Mai auf der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn.


Torsten Reinwald
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