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30. November 2010 (ljv ba-Wü) Stuttgart

Landesjagdverband Baden-Württemberg: Harte Zeiten für Wildtiere

Jäger befürchten langen Winter mit hohen Schneelagen

Drei Wochen vor dem offiziellen Winteranfang haben Schneefälle ganz Baden-Württemberg mit einem weißen Tuch bedeckt. Damit daraus kein Leichentuch wird, haben die Jäger vorgesorgt und halten Futter bereit, um den Wildtieren helfen zu können, wenn der Schnee zu hoch wird.

„Dreißig Zentimeter lockerer Schnee, wie wir sie derzeit im Schwarzwald haben, sind für Reh und Hirsch noch kein Problem; da kommen sie ohne weiteres an die darunter befindlichen Kräuter und Gräser“, erläutert Dr. Erhard Jauch, Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbandes. „Aber wenn es weiter schneit, ist es irgendwann damit vorbei.“ In solchen so genannten Notzeiten seien Jäger und Förster gesetzlich verpflichtet, das Wild durch artgerechtes Füttern vor dem Verhungern zu bewahren. Welche Futtermittel hierfür zugelassen sind, sei ebenfalls gesetzlich geregelt. Manche „Naturfreunde“ lehnen eine Notzeitfütterung als „nicht natürlich“ ab und wollen Rehe und Hirsche lieber verhungern lassen. „Wir Jäger machen da nicht mit“ so Jauch, „zumal Wildtiere immer wieder in ihrer Winterruhe gestört werden und ihr natürliches Verhalten beeinträchtigt wird.“

Während des winterlichen Nahrungsengpasses leben Reh und Hirsch in einem „Energiesparmodus“ mit vermindertem Stoffwechsel, ohne jedoch in einen Winterschlaf zu fallen. Rehe wirken im Winterhalbjahr, besonders bei Schnee, oftmals zutraulich. In Wirklichkeit sind die Tiere in wenigen Sekunden fluchtbereit, wenn sich Menschen abseits der Wege nähern. Die Flucht wird nur bis zum letzten Moment hinausgezögert, um Energie zu sparen. Um frei laufenden Hunden oder Menschen auszuweichen, verbrauchen die Tiere wertvolle Fettreserven, die eigentlich bis zum Frühjahr reichen müssten. Außerdem meidet das Wild Freiflächen, auf denen es Nahrung finden würde, bleibt im dichten Wald und knabbert dort vermehrt an jungen Bäumen.

Auch Spaziergänger und Natursportler können deshalb ganz wesentlich dazu beitragen, dass Wildtiere im Winter die notwendige Ruhe bekommen. Der Landesjagdverband appelliert an alle Erholungssuchenden, auf den Wegen zu bleiben und insbesondere Hunde stets an der Leine zu führen, um das Wild nicht zu erschrecken.