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29.10.2007 (djv)

Wildunfälle: Wenn dem Hirsch ein Rüssel wächst

DJV-Statistik: alle 2,5 Minuten kracht es / Zeitumstellung erhöht Risiko

Mehr als 3.000 Stück Rotwild – die größte Landsäugerart in Deutschland – kamen im vergangenen Jahr unter die Räder. Das sind knapp ein Fünftel mehr Tiere als 2005, teilte der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) heute in Bonn mit und wies auf das erhöhte Wildunfall-Risiko seit der Zeitumstellung am vergangenen Wochenende hin. Weil die Uhren eine Stunde zurückgestellt wurden, fällt der morgendliche Berufsverkehr für Wochen in die Dämmerung. “Von einem Tag auf den anderen kommen sich Berufspendler und nach Futter suchendes Wild in die Quere”, erklärte DJV-Präsident Jochen Borchert.
Als Verkehrszeichen warnt der Rothirsch vor Unfallgefahr: Seine schwarze Silhouette auf rot umrandetem Dreieck bedeutet “Achtung Wildwechsel”. Zu Recht: Kollidiert ein 50 Stundenkilometer schnelles Auto mit einem 150-Kilogramm-Hirsch, multipliziert sich dessen Aufprallgewicht um das 25-fache, also auf 3,75 Tonnen. Das entspricht einem ausgewachsenen Elefanten.

Doch der Rothirsch auf dem Verkehrsschild warnt nicht nur vor seinen Artgenossen, wovon immerhin fünf Prozent der Verkehrsteilnehmer ausgehen, wie eine aktuelle Umfrage von DJV und DEKRA ergab. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Autofahrer auf Rehe treffen. Über 200.000 Mal krachte es im vergangenen Jahr. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bremen wird inzwischen jedes dritte Reh vom Autofahrer erlegt. In Niedersachsen, Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein jedes vierte. Die traurige Gesamtbilanz: Alle 2,5 Minuten stirbt ein Reh, Hirsch oder Wildschwein auf deutschen Straßen.

Der DJV empfiehlt deshalb gerade im Herbst: Runter vom Gas. Wer statt mit Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt den Bremsweg um über 30 Meter. Zudem nehmen Rehe Fahrzeuge, die mit mehr als 70 Stundenkilometer unterwegs sind, nicht mehr wahr und laufen in den Tod. Autofahrer sollten in Risikogebieten mit viel Vegetation die Straßenränder im Auge behalten. Wo ein Wildtier auftaucht, folgen oft weitere. Das richtige Verhalten im Ernstfall: Licht abblenden, bremsen und hupen. Das gibt Tier und Mensch die Möglichkeit, unbeschadet davonzukommen. Ist der Unfall unausweichlich, nicht hektisch reagieren. Lenkrad festhalten, geradeaus steuern und voll auf die Bremse treten. Unkontrolliertes Ausweichen ist immer riskanter als ein kontrollierter Zusammenstoß.

Mit Duftzäunen, Wildwarnreflektoren und Wildäckern entschärfen Jäger bekannte Wildunfallschwerpunkte. Das Problem der zunehmenden Lebensraumzerschneidung durch Straßen lässt sich dadurch jedoch nicht lösen. Der DJV fordert deshalb mehr Querungshilfen wie Wildbrücken nach niederländischem Vorbild, um Risiken für Mensch und Tier zu reduzieren.

Bitte beachten:
Weitere Informationen zum Thema Wildunfälle finden Journalisten im Internet unter www.newsroom.de/djv, Rubrik Themen – Wildunfälle. Kostenfreie druckfähige Bilder gibt es unter der Rubrik Foto-Archiv – Wildunfälle.