18.05.2013, 23:47 Uhr
Fahrlässige Tötung durch weggeworfenen Joghurtbecher: Die Anklage klingt skurril, hat jedoch einen ernsten Hintergrund. Jedes Jahr kommen viele Wildtiere durch achtlos entsorgten Müll ums Leben. Naturfreunde sollten deshalb darauf achten, ihren Abfall draußen nicht links liegen zu lassen, um Fuchs, Hase oder Wildschwein nicht zu gefährden.
Ob Reste vom Grillfest oder Überbleibsel eines Picknicks im Grünen – besonders in den Sommermonaten hinterlassen viele Menschen gedankenlos ihre Spuren in Feld, Wald und Flur. Die meisten wissen nicht, dass von ihrem Abfall eine große Gefahr für die Tierwelt ausgeht. Bestes Beispiel: der Joghurtbecher. Er kann schnell zur tödlichen Falle für Tiere werden. Leicht bleibt in dem Plastikgefäß zum Beispiel die Schnauze von einem nach Nahrung suchenden Fuchs stecken, der dann qualvoll verhungern muss. Auch Eimer, Plastikflaschen und -tüten sowie offene Dosen bedeuten für viele Wildtiere Erstickungsgefahr. Zudem gehen viele Insekten und Kleinlebewesen buchstäblich unter in Behältern und Tetra-Packs, in denen sich noch Getränkereste befinden.

Da gehört der Abfall hin: auf die Müllkippe!
In zurückgelassenen (Draht-)Schnüren und Schlingen, Plastikbändern oder Kabelbindern verheddern sich Reh, Hirsch und Co. oft so sehr, dass sie sich nur noch beschwerlich und unter großen Schmerzen fortbewegen können. Klein, aber extrem gefährlich sind Gummibänder: Sie schnüren nicht nur Gliedmaßen zu, sondern legen sich auch leicht um die Zunge eines Tieres. Für Vögel sind menschliche Abfälle nur scheinbar nützlich – sie benutzen des Öfteren Kunststoffreste wie weggeworfene Plastikschnüre oder Bonbonpapier für den Nestbau. Für ihre Jungen kann dieses Recycling tödlich enden. Denn das schwer verrottbare Material dichtet das Nest so sehr ab, dass Wasser daraus nicht mehr ablaufen kann und die Grünschnäbel in ihren Nestern ertrinken.
Eine große Gefahr für Wildtiere stellen auch in der Natur entsorgte Batterien dar: Die aus den Stromspendern im Laufe der Zeit auslaufende Säure führt zu schweren Vergiftungen. Zu buchstäblich doppelt brenzligen Situationen können herumliegende Flaschenteile und Kronkorken führen: An den scharfkantigen Gegenständen fügen sich viele Tiere Schnittwunden zu, die oft zu schweren Infektionen führen. Zudem bündelt im Licht liegendes Glas die Sonnenstrahlen, so dass darunter oder daneben liegende, leicht entzündbare Materialien schnell in Flammen aufgehen. Wenn der “Funke” dann auf trockene Gräser, Hölzer oder Bäume “überspringt”, sind Waldbrände nicht selten die verheerende Folge.
Doch nicht nur in Feld, Wald und Flur, sondern auch vor der eigenen Haustüre sollten Menschen darauf achten, ihre Abfälle ordentlich zu entsorgen. In Gärten, Parks und an Straßenrändern herumliegende Essensreste locken schnell vierbeinige Zuwanderer in die Stadt. Vor allem für Aas- und Allesfresser wie Wildschweine oder Füchse ist der Asphaltdschungel ein wahres Schlemmerparadies. Wichtig ist deshalb, den Biomüll gut zu verpacken und in der Mülltonne zu verstauen und nachts das Haustierfutter ins Haus zu räumen. Ansonsten gewöhnen sich die wilden Besucher zu sehr an den Menschen und kommen dauerhaft auf den Geschmack des Stadtlebens.
Vor allem beim anpassungsfähigen Wildschwein gilt die Devise: Eine Sau kommt selten allein. Das Borstenvieh gibt gute Futterplätze gerne an andere Mitglieder im Familienverband weiter. In Potsdam und anderen Städten zeigen sich die Waldbewohner immer öfter von ihrer schweinischen Seite: Sie rennen über Straßen und verursachen Autounfälle, durchwühlen Gärten oder drücken Zäune hoch, um an den Kompost zu gelangen. Gefährlich wird es, wenn die Wildschweine ohne Scheu an einer Bushaltestelle um Futter betteln oder sich eine Sau mit Frischlingen auf einem Spielplatz von Kindern gestört fühlt, die den Nachwuchs streicheln möchten.