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Tierischer Nachwuchs: Nur gucken - nicht anfassen

Falsch verstandene Tierliebe bewirkt oft das Gegenteil

Ob junge Hasen, Rehkitze oder Vogelküken – ab Ende April verwandeln sich Feld und Flur in eine riesige Kinderstube. Gut versteckt im hohen Gras verbringen die Jungtiere ihre ersten Lebenstage. Mutterseelenallein wecken sie unseren Beschützerinstinkt, der Fachmann nennt es Kindchenschema. Bei den Elterntieren handelt es sich aber nicht um Rabeneltern, sondern das Verlassen der Jungtiere schützt sie vor Fressfeinden wie dem Fuchs. In keinem Fall sollten Spaziergänger Jungtiere anfassen, das schreckt die Mutter ab und macht Kitz und Co. tatsächlich zu Waisen.

Uralte Schutzinstinkte

Das Verlassen des Nachwuchses ist ein uralter Schutzinstinkt gegen Fressfeinde: Die Jungtiere sind in der ersten Zeit fast geruchlos. Regungslos verharren sie gut getarnt im hohen Gras. Nur zum Säugen erscheint das Muttertier. In der Zwischenzeit hält sie einen größeren Abstand zu ihrem Nachwuchs, um dessen Versteck nicht zu verraten.

Alle Spuren werden beseitigt

Die Ricke zum Beispiel beißt unmittelbar nach der Geburt die Nabelschnur durch, leckt ihr Junges trocken und säubert sorgfältig den Setzplatz. Alle Indizien, wie Nachgeburt und Eihäute, werden von ihr gefressen, nichts soll einen Räuber auf die Spur der Jungen bringen. Noch bis zur zweiten Lebenswoche nimmt die Ricke Kot und Harn ihres Kleinen auf.

Früh auf eigenen Beinen stehen

Rehkitze sind bereits nach kurzer Zeit sehr selbständig. Bei Mehrlingsgeburten, Zwillingen oder Drillingen, trennen sich die Kleinen ganz selbstverständlich. Dadurch, dass sie sich entfernt voneinander verstecken, erhöhen sie ihre Überlebenswahrscheinlichkeit. Denn Raubtiere können so nicht den gesamten Nachwuchs auf einmal aufspüren.

"Zahme Räuber"

Auch stöbernde Hunde können zur großen Gefahr werden. Hochträchtige Rehe sind bei weitem nicht mehr schnell genug, um erfolgreich vor ihnen flüchten zu können – Rehkitze, junge Hasen oder Vogelküken sind ebenfalls leichte Beute. Der DJV appelliert daher alljährlich an alle Erholungssuchenden sich gerade in der Brut- und Setzzeit bis Ende Juni nur auf den ausgewiesenen Wegen aufzuhalten und Hunde, die nicht auf Zuruf oder Pfiff reagieren, anzuleinen. Dies gilt auch dort, wo kein Leinenzwang besteht.

Geschützt vor dem Fuchs aber nicht vor dem Kreiselmäher

Die jetzt anstehende Frühjahrsmahd ist risikoreich für junge Rehe, Feldhasenjunge aber auch für Kiebitz, Uferschnepfe und andere Bodenbrüter. Die “Ducken-und-tarnen-Strategie” ist zwar ein sinnvoller Schutzmechanismus gegen Reinecke Fuchs, gegen den Kreiselmäher funktioniert sie jedoch nicht.

Um die Verluste bei der Mahd zu minimieren, arbeiten Jäger eng mit den Landwirten zusammen. Mit ausgebildeten Jagdhunden suchen sie kurz vor der Mahd die Flächen ab und bringen Jungtiere in Sicherheit. Zusätzlich platzieren Jäger am Abend vor der Mahd oft flatternde Müllsäcke, Blinklichter oder lärmende Radios auf den Wiesen. Irritiert zieht das Muttertier mit seinem Nachwuchs ab und überlässt buchstäblich dem Menschen das Feld.

Früh am Morgen, wenn der Erdboden von der Nacht noch kühl ist, kommen moderne Infrarot-Wildretter zum Einsatz. Diese Geräte erkennen Tiere und Gelege aufgrund ihrer Körpertemperatur, denn jeder Körper gibt Wärmestrahlung ab, die sogenannte Infrarot-Strahlung. Sobald jedoch die Sonnenstrahlen die ersten Steine erhitzen, häufen sich die Fehlmeldungen. Der effektivste Wildretter ist und bleibt immer noch der aufmerksame Jäger, der das Wild in seinem Revier genau beobachtet.

Weitere Infos

Jäger und Bauern auf Rettungsmission

Mehr zur Arbeit von Bauern und Jägern im Rahmen der Frühmahd finden Sie HIER