25.05.2013, 00:15 Uhr
Nach dem harten Winter suchen vor allem Rehe verstärkt nach Futter, die lange Fastenzeit ist vorbei und am Straßenrand lockt das frische Frühlingsgrün. Der Hunger der Tiere ist groß, anstehender Fellwechsel, baldigen Geburten und Geweihaufbau verbrauchen Unmengen von Kalorien und Mineralien. Und so halten sich die Rehe jetzt vermehrt in Fahrbahnnähe auf: eine Gefahr für Tier und Mensch!
Gerade in der Morgendämmerung – als Wiederkäuer folgen Rehe einem festen Rhythmus bei der Futteraufnahme – locken sie Streusalzreste und die ersten grünen Triebe unwiderstehlich an die Straßenränder. Durch die anstehende Zeitumstellung fällt die Futtersuche plötzlich mit dem morgendlichen Berufsverkehr zusammen. Damit steigt das Risiko für Wildunfälle rapide an. Aber auch der dichter werdende Verkehr und das wachsende Straßennetz vergrößern die Unfallgefahr, da die natürliche Bewegungsfreiheit der Wildtiere zusätzlich eingeschränkt wird. In 2008 wurden in Deutschland rund 3.036 Menschen bei einer Kollision mit einem Wildtier verletzt, 27 von ihnen starben. Unter die Räder kommen zudem jährlich 220.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine – die Dunkelziffer ist mindestens genauso hoch. Über 530 Millionen Euro mussten zur Regulierung von Wildunfällen aufgewendet werden.
Die Jägerschaft arbeitet bundesweit an Maßnahmen, um die Gefahr von Wildwechseln einzuschränken. Hierzu gehören Wildzäune an besonders gefährdeten Streckenabschnitten, Wildäcker mit schmackhaften Kräutern, welche das Wild von der Straße fern halten, oder Wildwarn-Reflektoren, die das Scheinwerferlicht der Fahrzeuge in den Wald zurückspiegeln. Auch Duftzäune mit dem Geruch natürlicher Feinde helfen, Wildunfälle zu vermeiden. Aber nicht allein vor Ort versucht man, Kollisionen zu verhindern: Im April 2010 fand die zweite Fachtagung zum Thema Wildunfallprävention in Grevenbroich statt. ADAC, DJV und Deutscher Verkehrssicherheitsrat haben die Anregungen aus der ersten gemeinsamen Veranstaltung im Frühjahr 2008 aufgenommen und die Rolle des Verkehrsteilnehmers bei Wildunfällen in den Fokus gerückt. Eingeladen waren Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft, die während der eintägigen Fachveranstaltung unterschiedliche Themen diskutierten. Ein Schwerpunkt war die systematische Erfassung von Wildunfällen seitens der Polizei am Beispiel von Hessen. Dort werden seit 2006 nicht nur die Unfälle zwischen Tier und Fahrzeug aufgeführt, bei denen Menschen zu Schaden kamen, sondern auch Bagatellschäden elektronisch erfasst und auf digitalen Karten hinterlegt.
Verkehrsteilnehmer können durch ihr Fahrverhalten einiges zur Vermeidung von Unfällen beitragen. Wichtig sind insbesondere eine angepasste Geschwindigkeit und das Ernstnehmen entsprechender Verkehrszeichen. Trifft ein Fahrzeug mit Tempo 60 auf ein Reh, wirken solche Kräfte, dass dieses ganz schnell zum Büffel mutiert und mit knapp einer Tonne auf den PKW trifft.
Sollte es zu einem Wildunfall kommen, heißt es, Ruhe zu bewahren und die Unfallstelle abzusichern. Auch müssen Polizei und, wenn bekannt, der zuständige Jäger benachrichtigt werden, selbst wenn am Fahrzeug kein sichtbarer Schaden entstanden und das Tier geflohen ist, bittet der Verband darum, in jedem Fall den zuständigen Jagdpächter zu benachrichtigen. Denn schwer verletztes Wild läuft unter Schock erst einmal weiter. Ein Jäger kann es mit einem speziell ausgebildeten Hund suchen und von seinen Qualen erlösen. Ist der Jagdpächter nicht bekannt, hilft auch die örtliche Polizei weiter.
Zu diesem Thema bieten wir auch einen O-Ton für Radioredaktionen an