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Vom Ranzen, Schnauben, Brummen und Fauchen - wenn Dachse im Liebesrausch schreien

Es ist Ranzzeit in Feld und Flur. Wer jetzt bei seinem abendlichen Spaziergang statt Ruhe oder Blätterrauschen plötzlich ungewöhnliche Geräusche wie brummen, schnauben, murren oder fauchen hört, wird Zeuge des Liebestaumels der Dachse. Meles meles, so sein biologischer Name, gehört zu den tagesscheuen Gesellen unserer Waldbewohner, den der Naturfreund nur selten zu Gesicht, jetzt aber gut zu Gehör bekommt. Wie das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) in seiner aktuellen “Volkszählung” für Wildtiere ermittelt hat, leben durchschnittlich nur 0,4 Dachse pro 100 Hektar.

Liebeslust im Sommerduft

Gerade jetzt im August macht sich Meister Grimbart oder Schmalzmann, wie der Dachs im Volksmund bezeichnet wird, auf die Suche nach einem paarungswilligen Weibchen. Durch teilweise gellende Ranzschreie, die auch an Kinderklagen erinnern, versucht der Rüde die Dachsdame anzulocken. Die bis zu 80 Zentimeter langen und 14 bis 16 Kilogramm schweren Tiere gehören zur Familie der Marder. Sie haben daher zwar einen ebenso ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn. Dafür ist ihre Sehfähigkeit eher mäßig, was für das nachtaktive Tier bei der Auswahl des Partners jedoch kein Hindernis darstellt.

Dachse leben in Dauerehe

Kommt es zu einer Paarung, ist durch diesen Akt sozusagen der Bund fürs Leben geschlossen. Wie Wissenschaftler festgestellt haben, leben Dachse vermutlich monogam in einer Dauerehe. Als Liebesnest bevorzugen die Eheleute zeitlebens eine unterirdische Behausung in Feld- und Waldlandschaften. Nach und nach baut Familie Dachs perfekt miteinander verbundene Gang- und Höhlensysteme. Diese können eine Länge von bis zu 30 Metern, verteilt auf mehreren Etagen aufweisen. Dachsbauten können 100 Jahre und älter sein. Einige der Röhren laufen in so genannten Kesseln zusammen, der “guten Stube” der behäbigen Vierbeiner.

Geburt unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Hier, in der mit viel Laub und weichen Farnen ausgepolsterten Behausung, bringt die Fähe, der weibliche Dachs, Ende Februar, Anfang März zwischen ein und fünf Jungen zur Welt. Sieben bis acht Monate dauert die Tragzeit. Bei Fähen, die sich schon im Frühjahr gepaart haben, ruht das befruchtete Ei zunächst einige Monate, bevor die Entwicklung des Embryos beginnt. Hierdurch wird gewährleistet, dass die Jungen immer erst im klimatisch günstigen Frühjahr zur Welt kommen. Diese Phase wird auch Vortragezeit oder Eiruhe genannt. Die etwa maulwurfkleinen Jungdachse sind anfangs blind. Erst nach vier bis fünf Wochen öffnen sie die Augen. Seinen ersten Spaziergang an der frischen Luft unternimmt der Nachwuchs in Begleitung seiner Eltern frühestens im Juli.

Familienmensch Dachs

Dachse sind sehr gesellige Tiere. Oft bevölkern sie als Großfamilie ein und dasselbe Röhrensystem, jedoch immer in getrennten Kesseln. Ihr Territorium markieren Dachse, der Waidmann spricht von stempeln, mit einem Sekret, das sie aus der Schmalzröhre absondern. Dieser individuelle Familienduft hilft sowohl dem Nachwuchs, den Weg zurück in den heimischen Bau zu finden, als auch innerhalb des Sippenverbundes das eigene Familienmitglied zu erkennen.

Wohngemeinschaft Dachsbau

Von den Vorzügen des weit verzweigten Dachsbaus sind auch weitere Wildtiere angetan. So mietet sich Meister Reineke Fuchs gern als Unter- bzw. Obermieter in die oberen Etagen des unterirdischen Röhrensystems ein. Auch Iltisse und Kaninchen wurden schon in Dachsbauten gesichtet – solange der Burgfrieden hält.