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Pfiffige Energiespartricks

Wie unsere heimischen Wildtiere der kalten Jahreszeit trotzen

Schnee, Eis, gefrorener Boden und bitterkalte Winde – der gemeine Homo sapiens dreht die Heizung auf oder macht es sich, ganz klassisch, mit einem Heißgetränk vor dem Kamin gemütlich. Ins Freie geht’s nur mit entsprechender hightech Kleidung – wärmend und natürlich wasser- und winddicht – ausgeklügelten Membransystemen mit unaussprechlichen Namen sei Dank.

Auch die Nahrungsbeschaffung ist in unseren Breiten längst kein Problem mehr. Das Angebot der Supermärkte ist, unabhängig von der herrschenden Witterung, riesig.

Wie aber sieht es in Feld und Wald aus?

Pflanzenfresser leben auf Sparflamme, denn in der Ruhe liegt die Kraft

Tiere, die auf pflanzliche Nahrung angewiesen sind, bietet der Winter wenig. Schmalhans ist Küchenmeister. Die heimischen Vertreter der Hirsch-Familie, besonders Reh und Rothirsch, leben deshalb auf Sparflamme. Besonders wichtig für das Überleben kalter, schnee- und frostreicher Perioden ist dabei ein üppiger Winterspeck, den sich die Tiere im Herbst anfressen. Und: Viel Ruhe. Gerade im Spätwinter ist die Nahrungssuche oft mit mehr Energieaufwand verbunden, als mit dem kargen Futter aufgenommen wird.

Die Taktik der Tiere: Ein kleines bisschen Winterschlaf.

Rothirsche können beispielsweise den Herzschlag von regulär 60 Schlägen pro Minute auf 30 Schläge reduzieren. Die Körpertemperatur in den Extremitäten wird ebenfalls herabgesetzt. Selbst am Brustbein wurden im Spätwinter statt der normalen 37 Grad Celsius nur 15 Grad gemessen. Einen kleinen Schönheitsfehler hat diese Strategie allerdings, denn die Beweglichkeit der Tiere wird stark eingeschränkt. Selbst bei Störungen – etwa durch Wanderer oder Skifahrer abseits der Wege und Loipen – bleibt das Wild vermeintlich ruhig stehen und lässt Menschen näher heran als normal. Es wirkt zutraulich. In Wirklichkeit bedeutet diese Situation Stress pur für die Tiere, Alarmstufe Rot, sozusagen. Eine Flucht wird nur deshalb hinausgezögert, weil sie noch mehr Energie verbrauchen würde. Bei ständigen Störungen kommt es vermehrt zu Schälschäden an Bäumen, da zum Beispiel Hirsche versuchen, den erhöhten Energiebedarf mir Baumrinde zu decken.

Werden Tiere ständig aufgeschreckt, überleben sie im schlimmsten Fall den Winter nicht. Deshalb sollten Freizeitsportler und Spaziergänger auf den Wegen bleiben. Und auch Hunde sollten den Wildtieren zuliebe an der Leine bleiben.

Füttern: Ja oder nein?

Grundsätzlich gilt: Unsere heimischen Tiere haben sich über die Jahrtausende an die Witterung angepasst und wissen mit dem Winter umzugehen. Ruhe ist viel wichtiger als zusätzliches Futter.

Pflanzenfresser wie Rehe und Hirsche werden in der Regel nur in Notzeiten gefüttert – diese sind in Notverordnungen der Bundesländer genau geregelt. Förster und Jäger sorgen dann für die artgerechte Fütterung.

Falsch verstandene Tierliebe ist es sicherlich, wenn die Reste von der Kaffeetafel oder vom Mittagstisch am Waldrand entsorgt werden. Davon profitieren höchstens Allesfresser wie Fuchs und Wildschwein, für die der Tisch ohnehin schon reich gedeckt ist. Scheue Rehe oder Hirsche lassen sich nicht blicken. Und: Wildschweine merken sich sehr schnell, wo es etwas zu holen gibt. Wo heute eine Sau gefüttert wird, steht morgen die ganze Wildschweinfamilie und bettelt. Dabei zeigen sich Schwarzkittel übrigens wenig zimperlich.

Mit Bioheizung und Dauerwelle gegen die Kälte

Das Winterhaar heimischer Säugetiere ist dichter und isoliert besser als das Sommerfell. Besonders raffiniert ist die “Dauerwelle” des Rehs: Die langen Winterhaare sind stark gewellt und nicht glatt wie die kürzeren Haare im Sommer. So wird Luft eingelagert, die sehr gut isoliert – ähnlich wie bei einer Daunenjacke. Zudem ist das Winterfell deutlich dunkler, die spärlichen Strahlen der Wintersonne wärmen dadurch besser.

Eine echte Bioheizung baut sich der Dachs. Er schafft im Herbst Pflanzenmaterial in seinen unterirdischen Bau, das langsam verrottet und dabei Wärme abgibt.

Wildschweine bauen sich aus Ästen, Reisig und Farnen schützende Kessel. Die ausgeklügelten Konstruktionen erfahrener Bachen haben sogar ein Dach und eine Türe zur Wärmeregulierung. Außerdem haben Wildschweine im Winter eine dichte Unterwolle unter den Deckhaaren.

Frühlingsgefühle im tiefsten Winter?

Kaum zu glauben: Aber selbst bei tiefsten Minusgraden denken einige Arten an die Liebe. Es sind die Allesfresser, die auch im Winter noch genügend Nahrung finden. Wie zum Beispiel die Wildschweindamen, die bei frostigen Temperaturen herzerwärmende Duftsignale an die Keiler senden.

Auch Füchse sind auf Freiersfüßen. Sie bellen verstärkt in klaren Vollmondnächten. Die Kommunikation läuft aber auch hier hauptsächlich über Düfte. Urinmarken dienen sowohl als Personalausweis als auch Gesundheitszeugnis: Alter, Geschlecht, gesundheitliche Verfassung und Paarungsbereitschaft können Füchse herausschnuppern.