Begonnen hat alles mit der Aufnahme des Rebhuhns in die „Rote Liste der gefährdeten Arten“ 1991. Dies wollten die Mitglieder des Hegerings Dormagen nicht einfach untätig hinnehmen und machten sich erste Gedanken über Hilfsmaßnahmen für das Rebhuhn.
Im Frühjahr 1994 legte der Hegering dann zusammen mit einem Landwirt die ersten überwinternden Ackerkrautstreifen an. Dieser ca. 6 Meter breite Krautstreifen besteht aus einer mehrjährigen Saatgutmischung und einem angrenzenden Schwarzbrache- oder Grubberstreifen, die mitten in Ackerparzellen in entsprechender Entfernung zu Straßen, Hecken und hohen Bäumen angelegt werden.

Brache mit idealen Schwarzbrachestreifen, Foto: LJV NRW
Das Vorgewende (der Feldstreifen, den der Traktor zum Wenden braucht) wird normal bewirtschaftet, um Spaziergänger und Hunde abzuhalten. Da die Streifen 3 Jahre stehen bleiben sollen, dienen sie somit als Ganzjahreslebensraum für Rebhuhn, Fasan und Feldhase. Aber nicht nur die jagdbaren Wildarten profitieren von diesen Maßnahmen. Auch Feldlerche, Grauammer, Kiebitz, Wachtel und der im Kreis Neuss noch vorkommende Feldhamster nutzten und nutzen diese, vom Hegering Dormagen neu geschaffenen Lebensräumen.
Noch ehe 1995 in Zülpich das Rebhuhnforschungsprojekt und 1997 zusammen mit den Landwirtschaftskammern das Rebhuhnprogramm „Artenreiche Feldflur“ in NRW begannen, hatte der Hegering Dormagen schon selber Biotopmaßnahmen für das Rebhuhn entwickelt. Geworben wurde fortan mit eigenem Logo mit Rebhuhn und Schriftzug.
Die Stadt Dormagen förderte von 1996 an das Naturschutzprojekt jährlich mit etwa 10.000 DM aus ihrem Umweltetat. Ab dem Jahr 2000 an übernahm dann das Gemeinschaftswerk Natur und Umwelt Rhein-Kreis Neuss kurz NUN die Finanzierung der Ackerkrautstreifen mit bis zu 5.000 Euro pro Jahr.

Brachestreifen in der landwirtschaftlich genutzten Fläche, Foto: LJV NRW
Ohne die Einwilligung und die Akzeptanz der Landwirte, wären diese Maßnahmen aber niemals möglich gewesen. Viel Überzeugungsarbeit und Termine waren nötig, um das Vertrauen der Landwirte zu gewinnen. Eine entsprechende Entschädigung half dabei sicherlich.
Landwirte besitzen Flächen, haben das Wissen und die notwendigen Maschinen um Offenlandpflege zu betreiben. Naturschutz ohne Eigentümer oder Nutzer ist konfliktreich, wenig effektiv und teuer.
Das Projekt des Hegerings Dormagen hatte sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Landwirten Artenschutz zu betreiben, ohne das Flächen auf Dauer für die landwirtschaftliche Produktion verloren gehen.