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Frühling - Startschuss für das Leben

Kinderstube Wald und Feld

Jetzt im Frühling kitzelt die Sonne in der Nase, der Wald duftet, die Vögel zwitschern: Was kann es da Schöneres geben, als sich in der wieder erwachenden Natur aufzuhalten. Ein Bedürfnis, das die naturliebenden Jäger nur zu gut verstehen. Allerdings darf die frühlingshafte Idylle nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Natur gerade jetzt besonders empfindlich ist und viel Ruhe benötigt.

Schon im März erblickt der erste Tiernachwuchs das Licht der Welt. Hase, Dachs, Fuchs aber auch Wildschwein gehören zu den besonders früh gebärenden Arten und natürlich brauchen sie eine ungestörte Kinderstube.

Besonders junge Hasen, die von ihrer Mutter nur selten und dann auch nur zum kurzen Säugen besucht werden, sind chancenlose Opfer, wenn sie von Katzen oder Hunden aufgespürt werden. Leider kann auch der liebste Familienhund nicht immer seinem Urinstinkt widerstehen und packt, oftmals völlig unbemerkt von Herrchen oder Frauchen, zu.

Jungtiere, die vermeintlich verlassen in Wald und Wiese liegen, sollten auch nicht angefasst werden. Ihre Mutter ist meist nur auf Futtersuche. Riecht sie den Menschen an ihren Jungen, verstößt sie diese – ein Todesurteil.

Ganz anders ist die Lage bei Familie Schwein: eine Bache mit Frischlingen nimmt sofort todesmutig den Kampf gegen jeglichen Störenfried auf, egal ob Mensch oder Hund. Dabei machen die Schwarzkitteldamen eine sehr gute Figur – die Tiere sind überraschend schnell und mit ihren kräftigen Zähnen können sie ihren vermeintlichen Gegnern schwerste Verletzungen zufügen. Schon mancher Hund hat eine solche Konfrontation mit dem Leben bezahlt.

Selbst gestandene Jäger machen um die sogenannten “Wurfkessel” – die Kinderstuben der Wildschweine – einen großen Bogen und lassen ihren Jagdhund nicht von ihrer Seite.

Deeskalation lautet die Devise für Waldbesucher, wenn Sie auf Wildschweinfamilien treffen:

! Wurfkessel – höchste Alarmstufe, denn die Bache kann mit den noch kleinen Jungen nicht flüchten. Sofort in der Bewegung verharren und dann einen sehr, sehr langsamen Rückzug antreten.

! Schweinefamilie on Tour: Schon nach wenigen Tagen verlassen die Jungen immer öfter das “Nest” bis sie schließlich ihrer Mutter auf größere Ausflüge folgen. Wer einer solchen Familie begegnet, sollte darauf achten, dass sich die Tiere auf keinen Fall in die Enge getrieben fühlen. Bestehen Ausweichmöglichkeiten und verhält sich der Mensch ruhig und besonnen, lässt sich die Lage meist schnell entschärfen.

Aber auch die Senioren im Tierreich brauchen Schonung und Rücksichtnahme. Nach den langen Wintermonaten sind insbesondere ältere Tiere schlichtweg mit ihren Fettreserven am Ende und noch reicht das Futterangebot in Feld und Flur nicht aus, um wieder zu Kräften zu kommen. Energieraubende Fluchten vor Hunden und Querfeldeinwanderern können da fatale Folgen haben. Untersuchungen an Rehen belegen, dass häufige Störungen durch Menschen unter anderem zu einem erhöhten Befall mit Parasiten wie Lungen- und Madenwürmern führen. Nicht umsonst weisen Jäger mit Plakaten und Handzetteln auf die sogenannten “Waldgebote” hin.