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Die Sprache der Jäger

Viele Redewendungen gehen auf das jagdliche Brauchtum zurück

Sicher haben viele Menschen schon Wind davon bekommen: Frühlingsduft liegt in der Luft! Während Zweibeiner ganz einfach Frühlingsgefühle bekommen, kennen Jäger für die tierische Liebe zahlreiche Namen. Da rammelt der Hase, rauscht die Bache, balzt das Federvieh und ranzt der Fuchs, was das Zeug hält. Viele Redewendungen, die den deutschen Wortschatz mit bildhaften Metaphern bereichern, wurden aus dem jagdlichen Brauchtum übernommen. Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) begibt sich auf Spurensuche und zeigt beispielhaft, wie der Hase durch die deutsche Sprache läuft!

Die Jagd ist im (Wort-) Spiel

Viele waidmännischen Redewendungen gehen auf die jagdliche Praxis zurück und beschreiben, wie die Jagd ausgeübt wird. Wildtieren “auf die Schliche kommen” bedeutet für den Waidmann zum Beispiel, dass er die Schleichwege von Reh, Hirsch und Wildschwein – die sogenannten Wildwechsel – ausfindig macht. Legt sich der Jäger hier auf die Lauer, ist die Jagd für ihn körperlich weit weniger anstrengend, als “auf den Busch zu klopfen”: mit Stöcken auf das Gebüsch im Unterholz zu schlagen, um das Wild aufzuscheuchen.

Jegliche Raffinesse beim Aufspüren von tierischen Verkehrswegen ist jedoch zwecklos, wenn das Tier buchstäblich “Wind davon bekommt”, dass Gefahr droht – also durch die Luft den Geruch des Feindes wahrnimmt. In einem solchen Fall bleibt dem Jäger nur übrig zu hoffen, dass ihm sein Objekt der Begierde nicht “durch die Lappen geht”. Diese Redewendung bezieht sich auf eine nicht mehr praktizierte, im 17. Jahrhundert jedoch sehr beliebte Jagdart, bei der an Wald- oder Flurrändern Schnüre mit bunten Stofffetzen gespannt werden, um aufgescheuchte Wildtiere in eine bestimmte Richtung zu treiben.

Auf der Flucht sind ältere Tiere gegenüber ihren jüngeren, unerfahrenen Artgenossen klar im Vorteil. Denn ein “alter Hase” weiß ganz genau, wie er am besten entkommt. In einem solchen Fall ist es für den Jäger fast unmöglich, das Tier aufs Korn zu nehmen – was so viel bedeutet wie: auf das Wild über Kimme und Korn einer Schusswaffe zu zielen.

Mit wenigen Worten ins Schwarze treffen

Darüber hinaus gibt es Redewendungen, die einzelne Wörter aus dem waidmännischen Vokabular – der sogenannten Jägersprache – beinhalten. Ein Beispiel ist das geflügelte Wort “jemandem eins hinter die Löffel geben”. Als Löffel werden die länglichen, nach oben hin breiter werdenden und abgerundeten Ohren des Hasen bezeichnet. Die Anfänge der Jägersprache, die ab dem 12. Jahrhundert zur Standessprache der Berufsjäger wurde, gehen über 1200 Jahre bis auf Karl den Großen zurück. Heute gilt sie als reichhaltigste aller Zunftsprachen. Insgesamt bereichern rund 3000 Fachbegriffe der Jäger – wie “pirschen” oder “balzen” – den deutschen Wortschatz.

Die Jägersprache dient Waidmännern dazu, mit wenigen Worten viel zu sagen. Sie ist zwar kurz und knapp, jedoch durchaus lyrisch und reich an Bildern – weshalb sie für Laien oft mystisch-rätselhaft klingt. Bestens beweist das der – wie Jäger es ausdrücken – “noch rote Hirsch, der orgelnd auf dem Wechsel in den Einstand zog”. Übersetzt wird aus der prägnanten Formulierung ein umständlicher Schachtelsatz: Der Hirsch, der noch sein Sommerfell trägt, markierte laut röhrend sein Revier und ging dabei langsam einen Pfad entlang, den diese Tierart schon seit Generationen nutzt, in den Waldteil, den er tagsüber bevorzugt aufsucht.

Anstreichende Jäger, fegende Hirsche und flickende Keiler

Manch einer wird Anrüchiges vermuten, wenn er hört, dass Jäger auf den Morgenstrich gehen und dabei Gänse ansprechen. Es ist jedoch alles ganz harmlos! Denn anstatt auf die Jagd nach Liebesdiensten zu gehen, nehmen die Waidmänner ganz legitim Federwild ins Visier, wobei sie auftauchende Gänse als jagdbares Wild erkennen. Bei anderen Tieren wie Hirsch, Reh, Wildschwein oder Fuchs bestimmen sie in der Regel zudem noch das Alter. Wenn ein Jäger aufbaumt, anstreicht und – zum Beispiel – einer Sau Blei anträgt, anschließend das Wild aufbricht und es aus der Decke schlägt, macht er nicht weniger als einen Hochsitz zu besteigen, das Gewehr beim Zielen seitlich an einem Zielstock, einem Baum oder etwas ähnlichem abzustützen, auf eine Sau zu schießen, dem erlegten Tier anschließend die Bauchdecke aufzuschneiden und die Gedärme herauszunehmen sowie die Haut mit dem Fell zu entfernen. Eine atemraubende Beschreibung, wenn es die Jägersprache nicht gäbe!

Nicht beim Wort nehmen sollten Revierbesucher den Jäger, der ihnen fegende Hirsche zeigen möchte. Denn das scheinbar wundersame Schauspiel hat rein gar nichts mit Großreinemachen zu tun. Vielmehr versuchen die Hirsche – indem sie gegen Baumstämme und Sträucher schlagen -, die schützende Nährhaut, die ihre nachwachsenden Geweihstangen umgibt und nun hormonbedingt zu jucken beginnt, von ihrem Geweih zu reiben, um sich Linderung zu verschaffen. Lapidar ausgedrückt: Die Tiere “gönnen sich” ein Grobpeeling.

Jägersprachliches Kuriositätenkabinett

Lust auf mehr Kurioses aus der Welt der Jäger? Wie wäre es dann damit: Der schon etwas abgekommene Perückenbock springt dem Jäger, dem zuvor ein Überläuferkeiler mit seinem Gewaff die Hose geflickt hat, aufs Blatt. Klingt wie ein tierisches Intermezzo im Zirkus – ist jedoch zumindest für zwei der drei Beteiligten kein besonders lustiges Erlebnis. Die Übersetzung verrät es: Ein Jäger, dem zuvor ein junger Keiler im zweiten Lebensjahr mit seinen Zähnen die Hose zerrissen hat, lockt während der Paarungszeit einen abgemagerten Rehbock an, der eine krankhafte, ständig weiterwachsende Wucherung an seinem Gehörn hat – die durch eine Verletzung an seinen Geschlechtsteilen entstanden ist -, indem er mit einem Blatt oder einem Grashalm den Fiepton des weiblichen Rehes nachahmt.

Übrigens:

Nicht verwechseln sollten Sie die Jägersprache, die sehr phantasievoll ist und der Verständigung dient, mit dem Jägerlatein, das die reinste Phantasie ist und einfach nur unterhalten möchte.