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26.05.2013, 04:55 Uhr
Wenn blaue Mülltüten wehen, Wecker nachts auf Wiesen rasseln und Irrlichter durch das Gras toben, dann bedeutet das nicht etwa, dass die Landbevölkerung neuerdings heidnischen Frühlingsbräuchen frönt. Nein, all diese Maßnahmen, so ungewöhnlich sie auch scheinen, dienen nur dem einen Zweck: Möglichst viele Jungtiere vor der ersten Wiesenmahd zu retten.
Im Mai fallen zwei unvereinbare Termine zusammen: Die Setzzeit der Rehe und die Wiesenmahd in der Landwirtschaft.
Konflikte mit teilweise tödlichem Ausgang sind so vorprogrammiert, denn droht Rehkitzen in den ersten zwei Lebenswochen Gefahr, ducken sie sich dicht auf den Boden. Für einen Wettlauf ums Überleben gegen Füchse und andere Beutegreifer sind sie noch zu schwach. Diese Vogel-Strauß-Mentalität hat sich im Laufe der Evolution bewährt, leider ist sie jedoch gegenüber Mähmaschinen ausgesprochen gefährlich. Getupft wie eine Blumenwiese verstecken sich die Tiere im hohen Gras, und geben so dem Landwirt keine Chance, sie vom Traktor aus zu sehen. Selbst die gut ausgebildeten Jagdhunde tun sich schwer, die Kitze zu erschnüffeln. Die Jungen haben in der ersten Lebenswochen noch keinen Eigengeruch, sämtliche verräterischen Körperausscheidungen leckt die Mutter sorgsam auf – auch ein Tarnmechanismus gegen Fressfeinde.
Gefundene Tiere werden vorsichtig mit viel Gras angehoben und in Sicherheit gebracht. Eine weitere Lösung ist, einen großen Karton über das Kitz zu stülpen und die Stelle mit einem langen Ast oder einer Stange zu kennzeichnen. So kann der Landwirt ihnen bei der Mahd mit seiner Maschine einfach ausweichen.
Wiesenbrütende Vögel finden ihr Gelege nach dem Umsetzen leider nicht mehr. Die Eier werden dann brütenden Hühnern untergeschoben oder in einem Brutgerät ausgebrütet. Sind die geschlüpften Tiere alt genug, werden sie natürlich ausgewildert.
Der effektivste Wildretter ist übrigens immer noch der aufmerksame Jäger, der das Wild in seinem Revier genau beobachtet. Denn treibt sich eine tragende Ricke ständig in einem bestimmten Feldschlag herum und wird dann plötzlich mit eingefallenen Flanken aber prallem Gesäuge gesichtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass irgendwo in dieser Wiese ihre Kitze verborgen liegen. Dann heißt es mit dem Landwirt sprechen und kurz vor der Mahd das Feld gründlich absuchen.
Allein schon durch die richtige Mähtechnik kann der Landwirt viel zum Überleben der Tiere beitragen. Die Wiese sollte unbedingt von innen nach außen gemäht werden, damit die Tiere eine Fluchtmöglichkeit haben. Große Schläge sollten rundherum angemäht werden, um das Wild zu beunruhigen.
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